Produktion 2016

Premiere am Samstag,21.5.19.30 Uhr
Sonntag22.5.17:00 Uhr
Donnerstag26.517:00 Uhr
Freitag27.05.19:30 Uhr
Samstag28.0519:30 Uhr
Samstag4.6.19:30 Uhr
Sonntag5.6.17:00 Uhr

Die Liebe in Madagaskar

von Peter Turrini

Offensichtlich sind wir nicht das, was wir sind, sondern das,
was wir sein möchten. Nicht unser gelebtes Leben,
sondern die Vorstellung, was das Leben alles sein könnte,
macht unser Leben aus.

Josef Ritter ist der Besitzer eines heruntergekommenen Wiener Vorstadtkinos,
das vor der Schließung steht. Seine Ehe ist vor langer Zeit
in die Binsen gegangen, sein Kind hat er lange Zeit nicht mehr gesehen.
Der letzten Liebesgeschichte, die mit einer Kontaktanzeige begonnen
hatte, hat „Pepi“ selbst ein Ende gesetzt, weil er sich mit der
krebskranken Frau keinen Pflegfall aufhalsen wollte.
Nach einem spärlich besuchten Walt Disney-Film ist er wieder einmal
allein in seinem Foyer, an dessen Wänden die vergilbten Photos der
großen Leinwandhelden hängen. Neben Rita Hayworth, Gregory Peck
& Co. lässt Klaus Kinski seine stechenden Blicke über das Klappbett
schweifen, das Pepi im Vorraum als Nachtlager dient. Als er dem legendären
Filmbösewicht zuprostet, entdeckt er einen Express-Brief
seines Idols neben der Kassa.
Klaus Kinski liegt in einem Krankenhaus in Kalifornien und bittet den
Kenner seiner hunderteinundfünfzig Filme dringend um Hilfe. Sein
alter Kumpel Pepi aus vergangenen Wiener Theaterzeiten, der schon
damals als Möchtegern-Künstler Johnny Ritter sein Stichwort verpasst
hatte, solle unverzüglich nach Cannes reisen und mit einer dort ausgehändigten
Vollmacht als Produzent einen Film drehen und so das nötige
Geld für die Ärzte auftreiben.
Pepi stürzt sich ohne Zögern ins Abenteuer, um den charismatischen
Star zu retten. Die spontane Fahrt nach Südfrankreich und die Begegnung
mit einer Schauspielerin, die in der Verfilmung seiner Liebesgeschichte
in Madagaskar mitspielen will, wird zum Höhepunkt in Pepi
Ritters dürftigem Lebens-Script.
Lässt die erdachte Love-Story, die sich über die Fakten seiner stumpfen
Existenz emporhebt, wahre Annäherung zu? Die Wand wächst und
wächst, und nicht einmal die Geschichte, die den Lichtspieltheaterbesitzer
über sich selbst erhebt, endet heroisch. Kinskis Tod macht dem
freudigen Retter einen Strich durch die Rechnung, und die Reise endet
in der armseligen Wirklichkeit, in der sie begonnen hat.